Feedback

Nicht alles, was ehrlich gemeint ist, ist hilfreiches Feedback.

In Workshops höre ich oft den Satz:
„Die Leute können kein Feedback annehmen.“

Doch oft liegt das Problem nicht zuerst beim Empfänger, sondern beim Geber: bei dessen Haltung und einer überschätzten Sicherheit in der eigenen Wahrnehmung.

Wer kritisches Feedback gibt, tut oft so, als sehe er die Lage klar. Tatsächlich sehen wir nie die ganze Person, sondern nur Ausschnitte. Wir sehen Situationen, letzte Vorfälle und einzelne Verhaltensweisen – und deuten sie durch unsere Brille. Wir übersehen Kontexte, Gründe und Wahrnehmungsfehler. Deshalb wäre vor kritischem Feedback mehr Demut angebracht.

Für mich braucht eine reife Feedback-Kultur mindestens drei Formen:

1.  Pick-up-Feedback

Das ist der wichtigste Typ.
Nicht andere entscheiden ungefragt, wann sie mir etwas sagen. Sondern ich hole mir selbst das Feedback, das ich brauche: von der Person, der ich vertraue, zu dem Thema, das für mich relevant ist, zu einem Zeitpunkt, an dem ich aufnahmefähig bin, und in der Form, die mir hilft.

Das kann ein Rat, eine Beobachtung, eine kritische Perspektive oder Coaching durch kluge Fragen sein. Entscheidend ist: Die Initiative liegt bei der lernenden Person. Das stärkt Selbstverantwortung und verhindert vieles, was unter „Offenheit“ in Wahrheit Bewertung ist. (Gibt es ein Buch von mir dazu 😉)

2.  Entwicklungsfeedback

Wenn ich ungefragt kritisches Feedback gebe, sollte es nicht darum gehen, dass der andere für mich besser funktioniert. Genau das ist im Arbeitsalltag oft der Kern.

Entwicklungsfeedback beginnt mit echtem Interesse an der Weiterentwicklung des anderen. Dann frage ich nicht nur: „Was lief falsch?“ Sondern auch: „Was habe ich vielleicht nicht verstanden?“, „Was war der Kontext?“, „Was will die Person entwickeln?“ und „Was würde ihr jetzt nützen?“

Dann wird Feedback nicht zur Korrektur von oben, sondern zu gemeinsamer Klärung.

3.  Positives Feedback

Auch das wird systematisch unterschätzt. In vielen Teams wird fast nur dann über Verhalten gesprochen, wenn etwas schiefläuft. Das ist nicht nur unerquicklich, sondern fachlich schwach.

Menschen lernen nicht nur durch Korrektur, sondern auch viel durch Verstärkung. Wer nie hört, was wirksam, hilfreich oder tragfähig war, kann es kaum ausbauen. Positives Feedback ist deshalb keine Nettigkeit. Es ist Orientierung.

Mein Punkt ist also nicht: Wir brauchen mehr Feedback.
Mein Punkt ist: Wir brauchen mehr Unterscheidungsvermögen.

Nicht jede Rückmeldung ist hilfreich.
Nicht jede Ehrlichkeit ist klug.
Und nicht jede Kritik dient Entwicklung.

Eine reife Feedback-Kultur besteht nicht daraus, dass alle jederzeit alles sagen.
Sondern daraus, dass klar ist, welche Form von Feedback gerade sinnvoll ist: Pick-up-Feedback, Entwicklungsfeedback oder positives Feedback.

Alles andere ist oft keine Entwicklung.
Sondern Fremdsteuerung in höflicher Sprache.

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