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Wenn Wut auf Weisheit trifft – Wie Gelassenheit zur echten Führungskompetenz wird


Etwas läuft schief. Wie reagieren Sie?

Ein Projekt scheitert, eine Entscheidung wird übergangen oder jemand kritisiert Sie ungerecht.

Unser Körper reagiert sofort: Herzklopfen, Spannung, Ärger. Wut.

Doch das eigentliche Führungsverhalten zeigt sich erst danach:

Bleiben Sie in der Anspannung oder übernehmen Sie die Regie über Ihre Reaktion?


Emotionen verstehen: Zwischen Reiz und Reaktion liegt eine Entscheidung

Die Neurowissenschaftlerin Lisa Feldman Barrett beschreibt Gefühle als Interpretationen unseres Körpers.

Wir deuten, was wir spüren – abhängig von Erfahrung, Kultur, Persönlichkeit und körperlicher Verfassung.

Das bedeutet: Nicht die Situation selbst macht uns wütend, sondern unsere Bewertung.

Hier setzen die Stoiker an:

Ein Ereignis ist weder gut noch schlecht – es ist zunächst einfach eine Tatsache.

Erst unser Urteil macht es zu einem Problem oder einer Möglichkeit zur Entwicklung.

„Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern die Meinungen, die wir über sie haben.“

— Epiktet

Oder, in moderner Sprache von Karin Kuschik:

„Nicht die anderen bringen dich aus der Ruhe – du lässt dich aus der Ruhe bringen.“


Zwei innere Weichenstellungen: Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz

Wenn etwas schiefläuft, treffen wir – meist unbewusst – eine Entscheidung:

Akzeptieren wir, was passiert ist, oder wehren wir uns innerlich dagegen?

1. Akzeptanz

Wir nehmen die Situation als gegeben an und fragen uns: Lohnt sich die Aufregung?

Diese Haltung führt zu tugendhafter Ruhe – einem Zustand von Wohlwollen, Dankbarkeit und vorsichtiger Achtsamkeit.

Wer akzeptiert, bleibt handlungsfähig.

2. Nicht-Akzeptanz

Wir empfinden Kränkung oder Unrecht. Gedanken wie „Ich habe Recht“ oder „Das lasse ich mir nicht gefallen“ entstehen.

Das ist der Nährboden für Wut – und jetzt entscheidet sich, welche Form sie annimmt.


Drei Gesichter der Wut

Destruktive Wut

Impulsiv, unreflektiert, laut. Sie entlädt sich in Schuldzuweisungen oder Aggression und zerstört Vertrauen.

Ergebnis: kurzfristige Erleichterung, langfristig Schaden.

Unterdrückte Wut

Nach außen ruhig, nach innen brodelnd. Sie führt zu innerer Erschöpfung, Zynismus oder Rückzug.

Ergebnis: keine Veränderung, keine Entwicklung.

Transformative Wut

Bewusst, rational, wertebasiert. Sie erkennt: Hier läuft etwas nicht im Einklang mit meinen Werten.

Diese Form der Wut verwandelt Energie in Entschlossenheit und Klarheit.

Ergebnis: faire, wirksame Handlung ohne Kontrollverlust.


Tugendhafte Ruhe – die hohe Kunst der Gelassenheit

In der stoischen Philosophie heißt das Ideal Apathéia – Freiheit von unvernünftigen Emotionen.

Das ist kein Gefühl der Gleichgültigkeit, sondern Ausdruck innerer Stärke und Selbstführung.

Tugendhafte Ruhe bedeutet:

  • Emotionen erkennen, aber nicht aus ihnen heraus handeln
  • ruhig bleiben, auch wenn andere toben
  • den eigenen Werten treu bleiben

Im Führungsalltag zeigt sich das in Momenten, in denen Gelassenheit mehr Wirkung entfaltet als Lautstärke.

Eine Führungskraft, die in sich ruht, gibt Sicherheit – selbst dann, wenn um sie herum Unruhe herrscht.


Der Circle of Influence – worauf es sich zu reagieren lohnt

Der Circle of Influence (nach Stephen R. Covey) hilft, Energie gezielt einzusetzen.

Er unterscheidet drei Zonen:

  1. Innere Zone – Ich selbst:Hier habe ich volle Kontrolle – über meine Gedanken, Sprache und Handlungen.→ Hier lohnt sich Veränderung immer.
  2. Mittlere Zone – Team und Organisation:Hier habe ich Einfluss, aber keine alleinige Entscheidungsmacht.→ Kooperation, Kommunikation und Vorbildwirkung sind entscheidend.
  3. Äußere Zone – Politik, Wirtschaft, Gesellschaft:Hier kann ich wenig direkt beeinflussen.→ Wut über diese Ebene raubt Energie. Gelassenheit und Fokus auf das Machbare führen weiter.

Wer sich auf den eigenen Einflussbereich konzentriert, gewinnt Selbstwirksamkeit – und innere Ruhe.

Oder kurz gesagt:

Ich ändere, was ich ändern kann. Und wo ich nichts ändern kann, ändere ich meine Haltung.


Wut ist kein Feind – sie ist ein Hinweis darauf, dass uns etwas wichtig ist.

Doch ob sie uns antreibt oder lähmt, hängt davon ab, ob wir sie führen oder von ihr geführt werden.

Die Fähigkeit, innezuhalten, zu prüfen und erst dann zu handeln, ist gelebte Selbstführung.

Sie unterscheidet impulsive Reaktion von weiser Entscheidung.

„Das Ereignis kann ich nicht wählen – aber wie ich darauf reagiere, das liegt in meiner Macht.“

— nach Epiktet


Visualisierung: Etwas läuft schief – wie reagierst du? Von Tanja Föhr, inspiriert von Lisa Feldman Barrett, Jola Wildberger und Karin Kuschik. © Föhr – Agentur für nachhaltige Innovationskulturen

Visualisierung: Etwas läuft schief – wie reagierst du?

Von Tanja Föhr, inspiriert von Lisa Feldman Barrett, Jola Wildberger und Karin Kuschik.

© Föhr – Agentur für nachhaltige Innovationskulturen


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